Ihr lauft ja auch nicht nackt durch die Stadt

datenschutzEinen Satz gibt es, bei dem sich mir stets die Haare steil in den Himmel sträuben, wenn ich den höre: „Ich habe ja nichts zu verbergen.“

Ich weiss nicht, wer diesen dummen Spruch in die Welt gesetzt hat, aber dieser einzige Satz wird stets als Totschlags-Argument gegen jegliche Form von Datenschutz verwendet. Und deshalb geht auch das Thema Datenschutz der Mehrzahl unserer Bevölkerung völlig am A… vorbei. Dabei wird das Sammeln und Speichern von Daten ein immer grösseres Problem, da ja Speicherplatz inzwischen schier unbegrenzt zur Verfügung steht. Und dabei will ich gar nicht näher auf die Sammelwut des Staates eingehen (Vorrats-Datenspeicherung). Schon wer seinen Rechner (mit Windows) einschaltet, der verschickt bereits Daten über sich und seinen Rechner an Microsoft. Aber das scheint sich inzwischen schon zumindest etwas herumgesprochen zu haben; es gibt viele, die XP-antispy verwenden. Aber gleichzeitig werfen sie sich dann einem noch schlimmeren Datenkraken an den Hals – Google. Dort melden sie sich dann in dem Moment, wenn sie den Browser einschalten, möglichst auch noch mit dem eigenen Namen an.

Google ist schon seit längerer Zeit dabei, eine riesige Datenbank von jedem Menschen auf dieser Welt anzulegen, in der fein säuberlich jede Internet-Seite gespeichert ist, die ihr jemals aufgerufen habt; in der jede Suchanfrage gespeichert ist, die er jemals abgeschickt habt. Mit der Zeit weiss Google dann viel mehr über euch als ihr jemals selbst über euch wissen könnt. Für jemanden, der nur etwas sensibel für Datenschutz ist, ist das die reinste Horror-Vorstellung.

Aber ihr habt ja nichts zu verbergen? Habt ihr nämlich doch! Eure Privatsphäre nämlich! Ich bringe dann immer den folgenden Vergleich: Warum sperrst du eigentlich die Tür zu, wenn du auf Klo gehst? Und du läufst ja auch nicht nackt durch Stadt! Bei Google und Co. jedoch machst du genau das. Aber unterwerfen sich diese Firmen denn nicht strengen Datenschutz-Auflagen? Die geben sie sich üblicher Weise selbst und deren Wirksamkeit ist ungefähr vergleichbar mit dem obigen Bild.

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9 Antworten to “Ihr lauft ja auch nicht nackt durch die Stadt”

  1. Jürgen Says:

    Gestern auf DMAX; zufällig reingezappt:
    Bericht über den neuen 7er BMW mit „Connected Drive“.
    Fest eingebaute Mobilfunkkarte, direkte Verbindung mit der „Werkstatt“. BMW Hotline kann Fahrzeug orten, auch im Nachhinein. Sie heben die Daten also auf. Von der Hotline oder der Werkstatt kann das Fahrzeug per Funkhandy-Befehl aufgeschlossen, gestartet und diagnostiziert werden. Und sie wissen immer wo man gerade ist, wie schnell man fährt und wer weiß, was die eingebauten Sensoren sonst noch alles mitteilen.
    Der Hammer schlechthin. Jeder der dieses Auto kauft, sollte sich auf seinen Geisteszustand untersuchen lassen. Echt jetzt.
    http://www.bmw.de/de/de/newvehicles/7series/sedan/2008/allfacts/ergonomics/passive_safety.html –> Connected Drive

    • Jürgen Says:

      Ach und was ich noch vergessen habe…..
      Ratet mal wer der Partner hinter der ganzen Datentracking-Technologie ist… da kommt ihr nie drauf…..
      Die Telekom!
      Ja, genau die mit der Datensammelaffaire…. *breitgrins*

    • snoopy1alpha Says:

      Also entweder habe ich es nicht so gut drauf wie du zwischen den Zeilen zu lesen, ich bin blind oder die haben den Text geändert. Der Text sagt meiner Meinung nach nichtmal implizit, dass die Ortungsdaten gespeichert werden. Die Daten werden, laut Text, nur dann an BMW gesendet, wenn der Wagen erkennt, dass er gestohlen wurde oder der Besitzer ihn als gestohlen gemeldet hat.

      Auch von der Sache mit dem „Funkhandybefehl“ und das man damit das Fahrzeug aufschließen kann finde ich nichts in den Erklärungstexten.

      Ich stimme dir zu, dass dieser ganze Technikkram ein enormes Potential für einen Missbrauch hat, aber so wie es dort dargelegt ist, ist es derzeit (noch) nicht der Fall.

      Kaufen würde ich mir einen solchen Wagen aber trotzdem nicht. Wenn ich unterwegs bin will ich mich auf den Verkehr konzentrieren und nicht E-Mails lesen!

  2. Gedanken zum Datenschutz und überhaupt… « WildBunch – Computerblog Says:

    […] zur IT-Sicherheit (PDF) veröffentlicht hat. Dabei kommt Google mal wieder schlecht weg (übrigens auch bei Lothar im Blog… ).  Zitat Heise Online: „Die Experten des BSI-Lagezentrums raten von der Verwendung der […]

  3. Anonymous Says:

    Viele regen sich über sich die ehemalige DDR-STASI auf, wie die ihre Bürger ausspioniert hat. aber im Vergleich zu Google war die nur sowas wie ein Kinderschutzbund.

    • lotharf Says:

      Da ihnen die technischen Möglichkeiten wie heute nicht zur Verfügung standen, waren die von der Stasi dagegen tatsächlich Waisenknaben. Allerdings muss man natürlich auch sehen, dass die diese Schwäche auf andere Weise ausgeglichen haben (z.B. Brutalität, Erpressung usw.).

  4. Jochen Says:

    Gestern gingen die Bilder und das Video von Youtube durch die Nachrichten über die Datenschutz- Demo in Berlin. Am Abend lief dann dieses Video zensiert im ZDF. Der Hammer war: Der Prügelnde Polizist hatte einen Balken über dem Gesicht, das Opfer nicht.

    Das ist Opferschutz in Deutschland. Mit dem Datenschutz verhält es sich ähnlich.

  5. lotharf Says:

    Wieso wunderst du dich über so etwas? In Deutschland hat es noch nie weder einen freien Rundfunk noch ein freies Fernsehen gegeben. ARD und ZDF werden von den Parteien (Rundfunkrat) kontrolliert; die Privatsender werden von der Wirtschaft (Werbung) kontrolliert. Da kannst du dir dann aussuchen was schlimmer ist; im Endeffekt läuft es immer auf Gleichschaltung und Desinformation hinaus. Auf diese Weise kommen dann natürlich immer die richtigen (erwünschten) Wahlergebnisse zustande. Das ist ja übrigens auch der Grund, warum man nun das Internet mit allen Mitteln unter Kontrolle bringen will.

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