Windows 7 auf einen Blick

windows7bookEs soll niemand behaupten, dass die Firma Microsoft nichts von Marketing versteht. Die schaffen es sogar ganz offensichtlich, ein absolut notwendiges Update für ihr total verkorkstes Vista anstatt als Service Pack 3 als ein völlig neues Betriebssystem zu vermarkten. Und alle machen bei diesen Trick mit (weil man damit ja auch Geld verdienen kann). Jetzt gibt es einen neuen Marketing-Gag. Bis zum 31. Oktober kann man sich das E-book „Windows 7 auf einen Blick“ (29 MB) kostenlos herunter laden. Dazu muss man sich mit einer E-mail-Adresse anmelden und bekommt dann den Download-Link zugeschickt.

15 Antworten to “Windows 7 auf einen Blick”

  1. Rainer Says:

    Fairerweise müsstest Du bei neuen Linux-Kernelversionen entsprechend behaupten, nun sei für Linux 2.6 das Servicepack 31 (32, 33, …) rausgekommen. :-p

    Windows7 ist mehr als ein Servicepack. Neben neuen Funktionen und der Änderung von Interaktionsprozessen (kurz: einfachere Bedienung) wurden auch interne Prozesse umgeschrieben und neue Schnittstellen zwischen Kernel und Subsystemen (wie z.B. das Grafiksystem) geschaffen.

    Das populistische Argument, Win7 sei nur ein Servicepack, geht fast ausschließlich darauf zurück, dass das Aussehen in weiten Teilen gleich geblieben ist. Die Leute gucken mal wieder ganz unreflektiert nur auf die Grafik. Fast wie bei Computerspielen. Dass sich bei Win7 ne Menge unter der Haube geändert hat, wird dann (vielleicht sogar wissentlich) nicht erwähnt.

    Ja, Vista war total verkorkst. Microsoft hat das eingesehen, die schlechten Sachen neu geschrieben, die guten Sachen verbessert und eine neue Version gemacht. Wer freiwillig auf Vista reingefallen ist und nun wieder den Vollpreis bezahlen will/muss, ist quasi selber schuld. Man kann solche Software auch vorher testen. Ich habe Win7 auch nicht viel zugetraut, hab’s aber getestet und war sofort begeistert.

  2. lotharf Says:

    Neue Kernel-Versionen bei Linux werden weder als neues Betriebssystem verkauft, noch werden sie als Service-Packs ausgeliefert. Sie kommen ganz einfach als schlichtes Update.

    Und soll ich dir mal meine erste Erfahrung mit Windows 7 schildern? Ich installiere das in einer Virtuellen Maschine. Dann will ich mir wie üblich mal genauer anschauen, wie das denn eigentlich aufgebaut ist, bzw. wie es sich von XP unterscheidet. Aber obwohl ich als Haupt-Benutzer unterwegs bin, der sich dann auch noch grosspurig Administrator nennen darf, erreiche ich lediglich, dass bei mindestens jedem zweiten Ordner, den ich öffnen will, das Fenster aufpoppt: „Zugriff verweigert“. Das war schon mal ein frustrierendes Erlebnis. Halt genauso oder gar noch schlimmer als bei Vista. Das hat mir dann schon mal ein paar Tage gereicht, bis ich mich endlich aufgerafft habe, ein paar Stunden an den Einstellungen herum zu fummeln, bis man damit einigermassen vernünftig arbeiten kann (und das mit einer Systemsteuerung, die allmählich zur Witzveranstaltung mutiert). Meine Begeisterung hält sich sehr in Grenzen; ich bin es halt einfach nicht gewohnt, lediglich auf Icons zu klicken und den Rechner ansonsten das machen zu lassen, was Microsoft will; so wie man es Otto Normaluser offensichtlich zumuten will, denn der wird von MS wohl als das grösste Sicherheitsrisiko angesehen; fragt sich nur als Risiko für wen.

    Bei der Beurteilung, ob das jetzt ein neues Betriebssystem ist, handele ich einfach nach der uralten Faustregel:
    Was aussieht wie eine Ente, quakt wie eine Ente und watschelt wie eine Ente, ist auch eine Ente. Ob die dann besser fliegen kann oder schneller schwimmt, das ändert dann an der Einstufung auch nichts mehr.
    Und wenn ich mich an die bisherigen Service-Packs erinnere, dann waren die doch immer derart umfangreich, dass mindestens 2 Drittel von Windows neu geschrieben worden waren und dann auch neu installiert wurden. Der einzige Unterschied ist, dass ein derartiges Vista Service-Pack 3 kostenlos wäre und man für Windows 7 bezahlen muss. Und ich meine, wenn eine Firma schon zu gibt, dass sie eine Software vermurkst hat, dann sollte sie auch konsequenter Weise dazu stehen und dies reparieren – aber kostenlos.

  3. Rainer Says:

    Die Servicepacks waren zur einen Hälfte die aufgelaufenen Patches und Updates, zum anderen ein paar neue Funktionen und GUI-Elemente. Bei SP2 von Windows XP erinnere ich mich an die praktische Firewall (nun unter Win7 sogar total konfigurierbar auch für ausgehende Verbindungen), mehr unterstützte Hardware und hier und da kleine Verbesserungen — ohne dass ich genau sagen könnte, was sich genau verbessert hat. War das echt so viel? Wikipedia sagt: bessere Unterstützung für Antivirenprogramme durch das Sicherheitscenter. Dass da „2/3“ von Windows neu geschrieben wurde, ist doch übertrieben. Nichtmal 5%. Demgegenüber die zahlreichen Neuimplementierungen von Win7, die eben unterhalb der Benutzerschnittstelle ansetzen. Das sind sicherlich über 30 geänderter Kram (ohne Beachtung von Treibern).

    Ok, mein Linuxbeispiel war nicht direkt vergleichbar. Der Linuxkern ist kostenlos und frei verfügbar, die Distributionen sind — wie der Name sagt — nur regelmäßige Zusammenstellungen der Bausteine. Hier wird das Geld durch den Support eingenommen, während Microsoft sich auch das Programm (einmalig) bezahlen lässt.

    Über die Rechteverwaltung von Windows7 lässt sich streiten. In der einen oder anderen Form tritt das Problem sicher auch bei Linux auf. Wenn man sich gerne in der Konsole tummelt, darf man Dinge auch ändern. Aber braucht man das? Oder eher: will man das? Ich bin Informatiker, ich könnte da natürlich rumarbeiten. Aber ich will das nicht müssen. Ich will für alle(!) Sachen eine schöne GUI haben, und wenn manche Dinge für Otto Normalnutzer zu schwierig sind, kann man ja auch einen GUI-Expertenmodus anbieten.

    Die nicht erreichbaren Ordner (wieso klickst Du z.B. auch auf „System Volume Information“?) sind natürlich etwas blöd gemacht von Windows7. Aber diese sind in der Standardeinstellung auch nicht sichtbar. Wenn Du sie sichtbar machst, dann auf eigene Verantwortung, und dann musst Du wissen, was du damit anfängst. Du kannst in den Eigenschaften sehen, dass lediglich der Nutzer „System“ Rechte darauf hat. Wenn Du weiterbohren willst, ist das natürlich problemlos möglich. Gib Dir Rechte, dann darfst Du sehen (und löschen), was Windows da ablegt.

    Windows fragt an vielen Stellen nach, find ich lobenswert. Es schützt natürlich den Otto-Normalnutzer vor sich selbst. Aber wie erwähnt, wenn dieser Nutzer die Einstellungen belässt, wird er auch nie auf solche Ordner stoßen.

    Die Systemsteuerung … hm, ich stell das immer auf „Klassisch“, dann hab ich alle Icons für jedes Anwendungsfeld. Und jetzt sag bitte nicht, das seien zuviele. Unter Ubuntu hab ich mit den Benutzereinstellungen und Systemeinstellungen insgesamt auch 50 verschiedene Felder. Auf dem Mac hab ich nur ca. 20-25 Icons, dafür kann ich nicht alles einstellen, was ich will… Windows könnte aber die Themengruppierung von OS X übernehmen, das wäre mal praktisch.

  4. lotharf Says:

    Du bist Informatiker. Findest du das in Ordnung, dass der Benutzer „System“ alle Rechte besitzt, der „Administrator Otto“ aber fast keine mehr; bzw. dass er sie sich erst mühsam aneignen muss? Siehst du nicht, wo die Entwicklung hingeht? Wenn das so weiter geht bestimmt in Windows 8 absolut nur noch Microsoft was auf deinem Rechner passieren darf und was nicht.

    Was mich an der Systemsteuerung stört?
    Dass bis auf wenige löbliche Ausnahmen die früheren Einstellungs-Fenster ersetzt worden sind durch irgendwelche riesige bescheuerte Textfenster, in denen erst mal gefragt wird „was willst du eigentlich machen?“. Das soll wohl abschreckend wirken, denn es ist das absolute Gegenteil von informativ oder klar strukturiert (absolut schlimmstes Beispiel sind die Netzwerk-Einstellungen).

  5. Rainer Says:

    Naja, man kann die Rechte-Situation von mehreren Seiten betrachten. Ich hoffe, wir sind uns einig in Bezug darauf, dass ein allmächtiger Benutzer/Admin relativ gefährlich lebt (außer er weiß wirklich immer, was er tut und hat ein Antivirenprogramm). Ich will nicht sagen, dass das in jedem Fall schiefgeht — bin selbst jahrelang damit unter XP klargekommen. Hatte in der Zeit keinen einzigen Virus (überhaupt in 19 Jahren erst zwei).

    Nun zur Rechteverwaltung. Windows orientiert sich ein wenig an bekannten Mustern aus der Unixwelt, macht aber natürlich alles wieder ganz anders. Ich weiß nicht, ob ich das nun als Nachteil betrachten soll. Die Namensgebung ist jedenfalls eine andere: ein „Administrator“ unter Windows ist zumindest nicht „root“, d.h. er besitzt nicht alle Rechte. Aber er hat die Möglichkeit, sich alle Rechte zu verschaffen. Das ist dieselbe Philosophie, die hinter Linux steht (z.B. Ubuntu mit sudo, auch wenn das technisch etwas anders funktioniert). Warum siehst Du das so kritisch? Liegt das am Namen „Microsoft“?
    Ich find’s unter Linux auch blöd, wenn ich Dinge nicht sofort machen darf. Meistens hilft dann sudo. Zumindest unter Ubuntu — andere Distributionen verlangen auch wieder Schweißarbeit in der Konsole. Soviel zum Thema „mühsam aneignen“. Also da ist Ubuntu wirklich die Distribution, die meinem Verständnis von Sicherheit und Bequemlichkeit am nächsten kommt. 🙂

    Bis jetzt (auch unter Windows 7) hat jeder Administrator die Möglichkeit, sich Rechte zu verschaffen. Das wird von Microsoft nicht verboten, und es ist auch nicht komplizierter als in vielen Linux-Distris. Immerhin geht alles über schöne GUI-Dialoge. Für mich gilt die Regel: wenn ich vom Betriebssystem erklärt bekomme, wie ich etwas machen kann, ist es besser, als wenn ich nach 10-minütiger Suche Google bemühen muss.

    Zur Systemsteuerung: ja, du hast vollkommen Recht. Insbesondere die Netzwerkeinstellungen sind wirklich undurchdringlich geworden. Wenn ich selbst vor der Tastatur sitze, geht’s ja noch, aber letztens hat mich mein Onkel (der weiter weg wohnt) um Hilfe gebeten mit seinem neuen Win7, das den WLAN-Router nicht findet. Ich konnte ihm nicht helfen, da die Einstellungen so weitläufig verstreut waren. Das ist mal schlecht gelöst. (Bei mir läuft zum Glück alles direkt über Netzwerkkarte und Router.)

  6. Rainer Says:

    Was mir noch einfiel: beim Mac ist die ganze Sache mit der Netzwerkkonfiguration ein Kinderspiel. Dennoch lassen sich auch ausgefallene Varianten erstellen. Ist eben alles an einer Stelle sortiert und vernünftig zu handhaben. Auch wenn der Mac sonst sehr bevormundend ist (würde Dir wohl noch weniger als Windows gefallen), dies hat Apple gut gelöst.

  7. lotharf Says:

    Apple sitzt halt genauso wie Microsoft in den USA. Und da halten es die Firmen offensichtlich für notwendig, die Benutzer immer mehr zu bevormunden. Was natürlich auch ein bezeichnendes Licht auf die Einschätzung ihrer Landsleute bezüglich Intelligenz und Fähigkeiten wirft. Sässen die Firmen in Europa, sähe es wahrscheinlich anders aus.
    [Übrigens Fähigkeiten: wusstest du, dass die deutschsprachigen Länder so ziemlich die einzigen auf der ganzen Welt sind, in denen die Leute auch nur auf die Idee kämen, sich ihren Rechner selber zusammen zu bauen?]

  8. Rainer Says:

    Mangels Vergleich kann man schlecht sagen, ob ein „europäisches“ Microsoft da liberaler vorgehen würde. Wenn ich nun an KDE denke, die ja einen Großteil der Entwickler in Europa haben und die von einem Deutschen gegründet wurden, so finde ich das nicht wirklich besser. Man hat mehr Möglichkeiten und kann jeden Fitzel per GUI einstellen. Das ist eigentlich das, was ich haben möchte. Aber irgendwie „wirkt“ es nicht so gut wie eine professionell durchdachte Aero-Oberfläche. Liegt wohl auch daran, dass bei Open Source zuwenig Entwickler zuwenig Zeit haben, und vor allem kann man sich keine Designer leisten oder überhaupt auf eine gemeinsame Linie einigen…

    Ah ok, anderes Beispiel: Nokia-Handys. Kommen aus Europa. Sind die besser als welche von Motorola? Ich glaub, da bevormundet so ziemlich jeder Handyhersteller. Siemens allerdings hat dem Nutzer eine Menge Freiheiten gelassen, sozusagen „IBM der Handybranche“. Leider waren auch wie bei IBM irgendwann die Siemens-Geräte durch zuviel Managementinkonsistenzen zu spät auf dem Markt, zuviel technische Zwangseinschränkung. Aber von den Möglichkeiten her und der Bedienbarkeit: erste Wahl. (Mein Vater hat z.Zt. ein Motorola-Gerät, da brauch sogar ich zehn Minuten, um eine bestimmte Option zu finden.)

    [Rechner zusammenbauen]
    Wie jetzt, das wird nirgendwo anders so gemacht? Die Leute schmeißen ihre alte Kiste komplett weg und kaufen sich was Neues? Ich würde im Gegensatz dazu niemals auf die Idee kommen, mir einen Komplettrechner zu kaufen. Dabei kann man gar nicht soviel sparen — nur wenn er wirklich bei jedem Teil die gewünschte Ausstattung bietet. Meine Rechner erweitere ich stückweise, wobei die wichtigen Teile (CPU, Mainboard, Speicher, Grafik) auch nur gebündelt alle 4-5 Jahre ausgewechselt werden. Alles andere ist doch Zubehör und wird erweitert/ersetzt, wenn Bedarf besteht.

  9. lotharf Says:

    Man glaubt es wirklich kaum; aber es ist tatsächlich so. Nur bei uns wird „gebastelt“. Überall sonst kämen die nicht mal auf die Idee, das Gehäuse auch nur mal auf zu schrauben. Für die ist ein Rechner halt genauso ein Gerät wie eine Waschmaschine oder ein Staubsauger.

  10. Rainer Says:

    Hm, ich könnte Geld damit verdienen, die Rechner von Leuten in England oder Frankreich zu reparieren oder schneller zu machen. 😉

  11. fi4711 Says:

    mit Interesse habe ich das Geplänkel von zwei Pseudofreaks gelesen. Mich würde mal intessieren, ob Rainer auch eine Homepage oder Blog hat, und was er dort so schreibt

  12. lotharf Says:

    Keine Ahnung; ich sehe vom Rainer nur seine E-mail-Adresse(n) und keine Angaben zu einer Homepage oder einen Blog.

  13. Erich Says:

    Ich sehe das Windows 7 zwar nicht ganz so negativ wie lotharf, aber leider hat er im Grunde recht. Geschickte Marketingstrategie überdeckt, dass eigentlich Microsoft sein
    Vista (Mista) kostenlos mit Servicepack zu einem richten benutzerfreundlichen System
    ummodeln müsste.

    Erich

  14. lotharf Says:

    Weisst du Erich, was das grosse Problem ist?
    Die meisten, die jetzt Windows 7 so hochjubeln, kennen keine anderen Betriebssysteme ausser Windows. Für die ist es dann ein riesiger Erfolg, dass es MS mal wieder gelungen ist, ein Windows nicht so sehr zu vermurksen; was bleibt ihnen denn auch anderes übrig?
    Wenn man allerdings andere Betriebssysteme kennt, dann sieht man das doch etwas differenzierter.
    Dann sieht man vielleicht auch, dass da schon vom Ansatz her was falsch läuft. Z.B. wenn MS unter „Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit“ versteht, dass der Benutzer immer mehr zum nur noch Maus klickenden Idioten entmündigt wird.
    Wobei man ehrlicher Weise auch sagen muss, dass das nicht nur auf Windows zutrifft; andere eifern MS in dieser Beziehung auch nach.

  15. Windows 7 – oder was? « WildBunch – Computerblog Says:

    […] Zu guter Letzt sei noch ein Buch über Windows 7 empfohlen, das es als PDF noch bis zum 31.10. als kostenlosen Download gibt. Windows 7 auf einen Blick (via Lothars Blog) […]

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