Ubuntu 11.04 angeschaut

Na das war ja wieder mal ein harter Kampf! Das Problem war nämlich, Ubuntu erst einmal zum Laufen zu bewegen. In der VBox (4.0.4) hat sich Unity strikt geweigert zu starten; die ISO lief nur im Classic Modus. Inzwischen habe ich aber erfahren, dass es mit Version 4.0.6 der VBox laufen soll. Dann kam das Drama auf dem Desktop Rechner. Ubuntu ist da genau 1 x gelaufen – und dann gar nicht mehr. Auch das Brennen einer neuen CD hat nichts gebracht. Die Ursache? Ubuntu scheint Probleme mit dem VIA-Chipsatz zu haben; und ich habe einen solchigen. Abhilfe hat eine Eingabe des Startparameters: pci=noacpi gebracht. Was jedoch keineswegs bedeutet, dass Ubuntu jetzt jedes Mal startet. Nein; man muss anscheinend vorher erst einmal sämtliche Funktionstasten gedrückt haben, Sprache und Tastatur auswählen und die anderen Einstellungen bestätigen. Dann darf man hoffen.

Ich habe mich natürlich erst mal auf Unity konzentriert. Dabei hat dieses mir beim ersten erfolgreichen Start gleich mal einen dicken Streich gespielt, weil nämlich die Funktion zum Aus- und Einloggen (Benutzerwechsel) seltsamer Weise gar nicht vorhanden war (und auch auf den Konsolen nicht funktioniert hat). Aber es geht natürlich auch unter Unity, wie ich dann aber erst beim zweiten erfolgreichen Startversuch gesehen habe.

Dass Unity von der Netbook-Version von Ubuntu übernommen worden ist, das kann man besonders gut an den riesigen Fenstern der Anwendungs-Menüs erkennen. Und natürlich ist diese Oberfläche schon etwas gewöhnungs-bedürftig. Aber man kommt mit diesem Launcher eigentlich ganz gut zurecht. Allerdings merkt man bei Unity das Bemühen zu verbergen, dass es sich hier überhaupt um ein Linux handelt. Ganz besonders deutlich wird das beim Terminal. Es gibt nämlich weit und breit keinen Hinweis darauf, dass dieses überhaupt existiert. Natürlich ist es da, wie ein Blick in die installierten Pakete im Software-Center beweist. Aber um das öffnen zu können, musste ich erst am Desktop einen neuen Launcher erstellen, dort ‚/bin/bash‘ eingeben und das unter „Anwendung im Terminal öffnen“ abspeichern.

Die Bedienung des Launchers und auch der Software Menüs ist recht einfach; halt einfach klick, klick. Allerdings fällt mir auf, dass ich viele Namen der installierten Anwendungen bisher gar nicht kenne. Beim Firefox (4.0) habe ich die Menüzeile vermisst und verzweifelt danach gesucht. Bis ich zufällig mal mit der Maus in die Taskleiste gefahren bin. Das ist schon sehr überraschend, dass die Menüs einer Anwendung vom Fenster in die Taskleiste gewandert sind. Bei den Libre Office Programmen (3.3.2) ist das erfreulicher Weise nicht der Fall. Auffällig ist, dass der Benutzer ‘ubuntu’ so ziemlich alles darf. Installieren darf er sowieso alles, auch Treiber; er kann Partitionen mounten und er kann sogar den GParted starten (das alles ohne Root-Passwort). Da ist ja inzwischen fast Windows restriktiver.

Auf dem Laptop läuft Ubuntu natürlich einwandfrei. Erfreulich ist, dass sogar die Treiber für meine WLAN-Karte (Broadcom) auf der Scheibe sind und sich installieren lassen. Ein ‚modprobe b43‘ funktioniert zwar, bringt allerdings nichts; es wäre ein Neustart erforderlich, was natürlich witzlos ist.

Ja und dann werden die Nachinstallationen fällig, denn die deutschen Sprachdateien, Multimedia-Unterstützung oder der Flashplayer sind natürlich nicht mit dabei. Aber all das lässt sich mit der Sprachunterstützung und mit dem Software-Center sogar recht einfach nachinstallieren. Im Software-Center lassen sich mittels der Suche (DVD, flash) grosse Paket-Zusammenstellungen finden, die man dafür verwenden kann (siehe mittlerer Screenshot). (Eine einzige wichtige Library muss man sich aber anderweitig holen). Bis alles funktioniert hat waren das aber doch immerhin insgesamt 1357 Pakete.

Bewertung: Es wird manche überraschen, dass ich Ubuntu 11.04 im Gegensatz zu vielen anderen Leuten sogar recht gut bewerte (so es denn läuft). Einem erfahrenen Linuxianer würde ich es allerdings nicht empfehlen. Die Zielgruppe hat sich offensichtlich schon etwas verschoben; die Distro wendet sich jetzt eindeutig an die Anfänger. Für diese dürfte sich Ubuntu wohl sogar relativ leicht bedienen lassen, auch recht intuitiv. Ob diese dann allerdings mit den notwendigen Nachinstallationen ohne Hilfe klar kommen, wage ich doch etwas zu bezweifeln. Denn man muss immer noch wissen, was man denn so alles nachinstallieren muss.
[Geschrieben natürlich mit Ubuntu] [Und falls noch jemand die gleichen Startschwierigkeiten hat, bitte Kommentar]

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9 Antworten to “Ubuntu 11.04 angeschaut”

  1. Jürgen Says:

    Ich finde Du bringst es auf den Punkt. Ich habe ja schon lange Erfahrung mit Unity auf dem Netbook und kann deinem Bericht nur zustimmen. Besonders für Linux Erfahrene ist Ubuntu nicht gerade eine Offenbarung, aber für Linux Anfänger könnte es eine sein. Ich selber benutzte zwar seit 2,5 Jahren Linux (immer nur Ubuntu), zähle mich aber immer noch zu den Anfängern. Mit Konsole, etc. hab ich halt doch keine Ahnung. Bin reiner Anwender.

  2. Alter Sack Says:

    Wieder mal ein schön unaufgeregter Kurztest, lieber Lothar :-). Die teilweise in Glaubenskriege ausartenden Diskussionen bzgl. Unity oder auch Gnome 3 bei anderen Distros finde ich nämlich überzogen. Das schöne bei Linux ist doch, das man nicht festgelegt ist, sondern die Oberfläche benutzen kann, die man möchte.

    Störend an neueren Ubuntu-Versionen finde ich, das immer wieder mal Mucken und Macken auftauchen, die den Betrieb behindern oder unmöglich machen. Ich fand das Ganze bis ca. 9.04 stabiler, vielleicht hab ich aber auch einfach Pech mit der jeweiligen Hardware gehabt. Aber es gibt ja genug Distributionen zum Testen… 🙂

  3. Christoph Says:

    Natürlich installiert auch ein Ubuntu 11.04 von Haus aus ein Terminal von Haus. Du findest es über das Dash indem du einfach anfängst „terminal“ zu tippen. Alternativ könntest du dich natürlich durch das Dash klicken. Zugegeben ist es mühsam ein Programm in der Dash zu finden, von dem man nicht weiß wo man es finden kann.

    Desweiteren hat sich am sudo Konzept von Ubuntu nichts geändert. Benutzer, die in die Gruppe „admin“ gesteckt werden (was der erste bei der Installation von Ubuntu erzeugte Benutzer natürlich ist), können über sudo, gksudo bzw. PolicyKit administrative Rechte erlangen. Dazu ist die wiederholte Eingabe des eigenen Passwortes nötig. Das selbe Verfahren verwendet mittlerweile auch Debian. Siehe bspw. http://wiki.debian.org/sudo -> Why sudo

    Bzgl. Anfänger/Erfahrene Linuxer. Ich wüsste nicht warum ein Ubuntu nicht für erfahrene Linuxer geeignet sein sollte. Es kommt doch immer drauf an, was man damit machen kann. Für mich ist es wichtig relativ schnell ein lauffähiges Linux-System mit apt/dpkg als Paketverwaltung installieren zu können. Den Rest gestalte ich mir sowieso selber 🙂

  4. lotharf Says:

    Ok, ich habe den Aufruf des Terminals in der Dash inzwischen gefunden; der ist dort aber sehr gut versteckt. Ich lege mir aber lieber ein Icon auf den Desktop (so wie ich es beschrieben habe), da man das ja wohl öfter braucht.
    Gegen ’sudo‘ hab ich eigentlich gar nichts; obwohl ich auch auf Live-Scheiben lieber mal zuerst ein Root-Passwort vergebe. Ich hab auch nichts dagegen, dass bei Ubuntu das Benutzer-Passwort gleichzeitig Root-Passwort ist, daran hab ich mich inzwischen gewöhnt (und man kann das ja ändern). Woran ich mich nicht gewöhnen kann ist, dass bei Unity der Benutzer ‚ubuntu‘ in der Dash z.B. den GParted aufrufen kann ganz ohne ’sudo‘ und ohne jedes Passwort.

  5. Jürgen Says:

    Habs mir gerade installiert (Netbook, WUBI). Das ganze läuft jetzt flotter als die alte Version.
    Aber ich bekomme immer noch die Meldung dass mein Flash veraltet ist. Ich dachte das ist jetzt aktuell nach der Installation (hatte die Meldung schon 1 Wo lang).
    Ansonsten gefällt mir Unity sehr gut, bin damit aber anscheinend in der Minderheit.

  6. lotharf Says:

    Die Linux-Version des Flashplayers 10.2 (.tar.gz) von der Adobe-Seite herunterladen; entpacken; die Datei ‚libflashplayer.so‘ suchen und diese durch die neue Datei ersetzen.
    Oder Flashplayer 10.2 (.deb) herunter laden und dieses mit dem Software-Center installieren ist vielleicht noch einfacher.

  7. Jürgen Says:

    Hallo Lothar,
    danke für den Tipp. Das Problem war aber doch ein Anderes. Ich habe mal mit „about:plugins“ nachgeschaut und da waren beide Flashplayer 10.1 und 10.2 aktiviert. Hab 10.1 deaktiviert und alles lief wieder.

  8. Jürgen Says:

    Hab jetzt den LXDE Desktop zu meinem Ubuntu geladen. Mein Netbook läuft spürbar flotter (als WUBI installiert). Ich werde dann bei LXDE fürs Netbook bleiben. Kann es jedem nur empfehlen.
    Lubuntu wird ja eh jetzt ein fester Teil der Ubuntu Gruppe.

  9. Bachsau Says:

    VIA Chipsätze sind leider nach wie vor Sondermüll. Waren sie schon vor 10 Jahren, und heute sind sie es immer noch. :[

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